Aktuelle Sicherheitslage
Seit einigen Wochen werden in den Onlinemedien und auf Social Media vermehrt Artikel veröffentlicht, die – teilweise dramatisierend – auf Schwachstellen im Linux-Kernel eingehen, die es ermöglichen, erweiterte Berechtigungen zu erhalten oder eigentlich nicht zugängliche Dateien auszugeben.
Solche Schwachstellen gab es im Kernel schon immer, und schon immer wurden sie bei bekanntwerden zeitnah behoben oder umgangen. Der Unterschied ist, dass bei den zuletzt bekannt gewordenen Schwachstellen das Prinzip der Responsible Disclosure ignoriert wurde, und die technischen Informationen der Schwachstellen veröffentlicht wurden, ohne dass diese zuvor behoben werden konnten.
Das brechen des sogenannten „Embargos“ einer Responsible Disclosure wird unter IT-Sicherheitsexperten allgemein als unprofessionell und bewusst schädigend angesehen. Das bewusste brechen des Embargos kann hier zudem als „Werbung“ für KI-gestützte Programme zur Schwachstellenforschung gesehen werden, da sowohl „CopyFail“, „DirtyFrag“, „Fragnesia“, und auch „ssh-keysign-pwn“ mithilfe von spezialisierten KI-gestützten Systemen gefunden wurden.
Es handelt sich zusammengefasst also nicht um eine „neu Welle an Exploits“, sondern um solche, die bewusst unter Ignorierung der üblichen Praxis direkt veröffentlicht wurden.
Angriffssvektor
Alle bisher in diesem Kontext bekannten Angriffe auf ein System bedingen, dass ein Angreifer Zugriff auf das System hat, und mit einem Useraccount eingeloggt ist der eine „normale Shell“ starten kann. Angriffe über das Netzwerk oder bei Verwendung von „Spezialaccounts“ sind nicht möglich.
Auf Systemen mit einem beschriebenen Account ist es für die Nutzer möglich, die Schwachstellen auszunutzen, wenn sie …
- … Dateien herunterladen oder Anlegen und mit Inhalt füllen können
- … einen Compiler zum Erzeugen von Binarys verwenden dürfen
- … die für die Expoits nötigen Librarys auf dem System installiert sind
- … in den von ihnen beschreibbaren Bereichen im Dateisystem Anwendungen starten können
Das gleiche gilt natürlich für schädliche Programme, die die nötigen Schritte automatisch im Kontext eines beschriebenen Useraccounts ausführen.
Maßnahmen
Die Maßnahmen hängen vom betrachteten System ab. Auf einem System, das nur von einem Anwender benutzt wird, gelten die allgemeinen Sicherheitsregeln unverändert auch weiterhin.
Zusätzlich:
- Regelmäßig in kurzen Intervallen auf Updates prüfen und diese Installieren (
pacman -Syu1-2 mal am Tag), dabei darauf achten, einen aktuellen und vertrauenswürdigen Mirror zu verwenden. - Der vor einige Zeit geschriebene Reminder zu den AUR-Sicherheitshinweisen sollte nach wie vor beachtet werden.
- Keine Scripte aus dem Internet ausführen, ohne sie vorher zu prüfen!
- Keine generierten oder von anderen genannt bekommene Befehle und Codezeilen ausführen, ohne vorher zu verstehen, was diese machen!
- Per Mountoptionen verhindern, dass Binarys von durch Useraccounts beschreibbaren Partitionen ausgeführt werden dürfen.
- Keine Compiler auf dem System bereitstellen oder diese durch Dateiberechtigungen oder ACLs in der Nutzung einschränken.
Zusätzlich beobachtet der Arch-User GerBra in den Threads zu „ssh-keysign-pwn“ und zu „DirtyFrag“ und „Fragnesia“ die aktuelle Situation und updatet den Status im Bezug auf die für Arch verfügbaren Kernel aus den Repositorys.